Kosten des Wohnbaues umfassender betrachten

Ein höherer Industrialisierungsgrad ist im Wohnbau dringend notwendig, scheinen sich alle einig zu sein. Ihn bloß unter dem Aspekt der Errichtungskosten zu betrachten, ist jedoch zu kurzsichtig – es braucht eine umfassende Betrachtung. Bei einem IBA-Symposium im AzW wurden die Chancen für „Serielles Bauen“ ausgelotet.
FRANZISKA LEEB

Übereinstimmend kamen die Baufachleute zu dem Schlusse, dass die bisherigen konservativen Baumethoden in naher Zukunft wirtschaftlich nicht mehr tragbar sein werden, dass andererseits für die Rationalisierung und Industrialisierung Serienplanung und eine exakte Vorplanung Voraussetzung sind.“ Was klingt wie das Resümee einer aktuellen Debatte zum Thema Vorfertigung, schrieb bereits im November 1960 die Arbeiterzeitung über eine Diskussion im Bauzentrum zwischen Vertretern von Ministerien, Stadt Wien, Genossenschaften und Baufirmen. Im darauf folgenden Jahr wurde zum Zwecke der Erhöhung der Wohnbaukapazität die „Montagebau Wien“ gegründet.

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Der gegenwärtige Zwang zu einer höheren Wohnbauproduktion im Bereich des leistbaren Wohnens befeuert erneut die Debatte über die Industrialisierung des Bauens, wobei mit dem Argument der Schnelligkeit meist auch jenes der erhofften niedrigeren Kosten einhergeht. So gut wie alle Studien, die sich mit seriellen Bauweisen befassen, vermögen keine eindeutige Antwort zu geben. Neben den Herstellungskosten wirken sich auch andere Umstände auf die Höhe der Mieten aus. Architektin Julia Gill, Mitautorin der Studie „Serieller Wohnungsbau.

Standardisierung der Vielfalt“ für die IBA Berlin 2020, bestätigt, dass es schwierig ist, über die Kosten belastbare Daten zu bekommen. Es gäbe eine „immens große Bandbreite an seriellen Bauweisen“, die erst bei einem sehr hohen Wiederholungsfaktor von Wohnungstypen und Bauteilen Einsparungseffekte mit sich bringen. Allerdings: „Wir haben festgestellt, dass sich die Art der Vergabe – auch von Grundstücken – viel stärker auf günstige Mieten auswirkt als ein paar Prozent Ersparnis bei den Baukosten.“

Bauen mit Weitblick

Auch der Bauingenieur Markus Lechner von der TU München hat sich als Projektleiter des interdisziplinäre Forschungsprojekts „Bauen mit Weitblick“ intensiv mit dem seriellen Bauen befasst. Da bekanntlich das Bauwesen Weltmeister im BIM nicht.“ Das Forschungsteam erarbeitete daher einen Systembaukasten für den sozialen Wohnungsbau, der mit Fokus auf der Optimierung der Planungs-, Fertigungs- und Montageprozesse im Rahmen der industriellen Produktion einen Katalog an Grundrissen für verschieden Gebäudetypologien, die an unterschiedliche Grundrisskonfigurationen anpassbar sind, anbietet. Bei der Entwicklung habe sich gezeigt, dass besonders die Anordnung der Schächte besonderer Aufmerksamkeit bedarf.

Weniger komplex ist günstiger

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Barbara Fritsch-Raffelsberger, Prokuristin der Familienwohnbau, sieht in der Produktion in der Halle eine Möglichkeit, die Problematik der Baumängel in den Griff zu bekommen, die viele Ressourcen der Bauträger als auch der Baufirmen verschwendet. Dass die effizientere Produktion eines hochwertigeren Produktes zugleich kostengünstiger ist, bezweifelt sie aber, da zunächst ein hoher Investitionsbedarf besteht. Fritsch-Raffelsberger weiß wovon sie spricht, hat ihr Unternehmen schließlich im Jänner 2018 mit heri&salli den Bauträgerwettbewerb für „Forum am Seebogen“ in der Seestadt Aspern gewonnen, bei dem ein spezieller Fokus auf der Modul- und Systembauweise lag…

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